{"id":18,"date":"2014-06-29T09:21:23","date_gmt":"2014-06-29T07:21:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?page_id=18"},"modified":"2021-05-13T05:57:03","modified_gmt":"2021-05-13T05:57:03","slug":"ueber-tloenfahrer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?page_id=18","title":{"rendered":"\u00dcber Tl\u00f6nfahrer"},"content":{"rendered":"<p>Wer nach Tl\u00f6n reisen will, muss ein Buch aufschlagen. Er sollte nicht allzu leichtes Gep\u00e4ck bei sich haben. Neben der Neugier vor allem den Wunsch, sich nicht nur seines eigenen, sondern auch des Verstandes vieler anderer zu bedienen, oder wie es der Sch\u00f6pfer von Tl\u00f6n einst formuliert hat, mit fremden Gehirnen zu denken.<\/p>\n<p>Es ist \u00fcbrigens nicht unbedingt notwendig ein Buch von Jorge Louis Borges lesen, um auf jenen Planeten mit dem seltsamen Namen zu gelangen, es ist nicht einmal n\u00f6tig, die philosophisch-fantastische Geschichte von Uqbar, Tl\u00f6n und Orbis Tertius \u00fcberhaupt zu kennen. Denn was in ihr beschrieben wird kennt jeder, f\u00fcr den Literatur und das Lesen mehr ist als blo\u00dfer Zeitvertreib. Das hat weniger mit der Beschaffenheit dieser Welt zu tun und damit, wie seine Bewohner denken, reden und handeln, sondern dem, was am Schluss der Geschichte passiert: Der Einbruch der Fiktion in die Wirklichkeit. In Uqbar, Tl\u00f6n, Orbis Tertius ist dieser Einbruch am Ende total, die Welt wird zu Tl\u00f6n.<\/p>\n<p>Ganz so radikal geht es bei der herk\u00f6mmlichen Tl\u00f6nfahrt nat\u00fcrlich nicht zu. Dennoch ist sie immer mehr, als nur ein Lesen um des Lesens willen. Wer sie unternimmt m\u00f6chte, dass die Welt sich durch die Lekt\u00fcre ein St\u00fcck ver\u00e4ndert. Oder wenigstens man selbst in seinem Blick auf die Welt. Der Tl\u00f6nfahrer ist sich seiner Sache nie so sicher, dass er meint, er wisse genug oder gar alles dar\u00fcber und es gebe hier nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen oder zu lernen. Er hat mehr B\u00fccher als er in der noch zu erwartenden Lebenszeit lesen kann. Und weil dies ein beruhigendes Gef\u00fchl ist, kommen immer wieder B\u00fccher hinzu.<\/p>\n<p>Zu den Tl\u00f6nfahrten geh\u00f6rt naturgem\u00e4\u00df auch \u00fcber das Gelesene zu schreiben. Davon zu erz\u00e4hlen wie es war, dieses Denken mit fremdem Gehirn, das sich Bedienen der Vernunft anderer. Da man am Ende einer Tl\u00f6nfahrt nicht mehr derselbe Mensch ist, der man an ihrem Beginn war, stellt sich die Frage, was sich ver\u00e4ndert hat und worauf diese Ver\u00e4nderung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Das ist immer wieder spannend, denn keine Tl\u00f6nfahrt ist wie die andere. Man wei\u00df nie, was einem auf der Reise zust\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Tl\u00f6nfahrt ist auch das Erz\u00e4hlen von Geschichten. Man wird zum eigenen Navigationssystem, dessen Funktionsweise sich aber nie vollst\u00e4ndig erschlie\u00dft. Diese Reisen sind die mutigsten und viele werden nie zu ende gef\u00fchrt oder erst gar nicht begonnen. Gelingen sie jedoch, ist dem wieder heimgekehrten Reisenden so wohl, wie nur selten im Leben.<\/p>\n<p><strong><em>Der Tl\u00f6nfahrer<\/em> <\/strong>ist seit Juni 2014 im Netz und war zun\u00e4chst ausschlie\u00dflich als literarischer Blog gedacht. Mittlerweile ist er ein Ort, in dem auch Pers\u00f6nliches und Biografisches seinen Platz findet.<\/p>\n<p><strong>Der Autor\u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026hei\u00dft Sven Koether, wurde im Mai 1967 im Taunus geboren und ist nach Lebensphasen in Hamburg, im Sauerland, in Ecuador, in Spanien und in M\u00fcnchen schlie\u00dflich am Rand der Eifel sesshaft geworden.<\/p>\n<p>Im Oktober 2016 ver\u00f6ffentliche Sven Koether den Erz\u00e4hlband <a href=\"https:\/\/zuckerstudio-waldbrunn.de\/das-albgeraeusch\/\">&#8220;Das Albger\u00e4usch&#8221;<\/a>, herausgegeben vom Zuckerstudio Waldbrunn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer nach Tl\u00f6n reisen will, muss ein Buch aufschlagen. Er sollte nicht allzu leichtes Gep\u00e4ck bei sich haben. Neben der Neugier vor allem den Wunsch, sich nicht nur seines eigenen, sondern auch des Verstandes vieler anderer zu bedienen, oder wie es der Sch\u00f6pfer von Tl\u00f6n einst formuliert hat, mit fremden Gehirnen zu denken. 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