{"id":1083,"date":"2017-07-08T15:18:53","date_gmt":"2017-07-08T13:18:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=1083"},"modified":"2021-04-11T16:04:06","modified_gmt":"2021-04-11T16:04:06","slug":"radio-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=1083","title":{"rendered":"Radio Paradies"},"content":{"rendered":"<p>\u201eGuten Abend und hallo liebes Deutschland. Hier ist Euer Radio Paradies, ich bin Peter Opatsky und wir haben f\u00fcr Euch wieder das Neueste aus Gesellschaft und Kultur. Und wie jedes Mal, begr\u00fc\u00dfen wir auch heute einen Gast im Studio. Ich darf euch vorstellen: Betsy Schwindelig, die bekannte Sportjournalistin und Autorin des Bestsellers \u201aDie Todesj\u00e4ger\u2018. Herzlich willkommen Betsy!\u201c<!--more--><\/p>\n<p>\u201eVielen Dank Peter. Ich freu mich hier zu sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wir freuen uns erst. Wir haben nicht jeden Tag eine Bestsellerautorin zu Besuch. Vor allem keine, die so gut aussieht \u2013 wenn ich das sagen darf. Leute, geht auf unsere Seite und klickt auf die Studio-Cam. Ihr werdet sehen, ich habe nicht \u00fcbertrieben. Betsy ist Oberliga.<\/p>\n<p>Wie sieht\u2019s aus Betsy, wollen wir gleich loslegen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGerne Peter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eO.K. Betsy. Wie kamst du auf die Idee, ein Buch \u00fcber Todesj\u00e4ger zu schreiben? Was hat dich daran fasziniert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuf die Idee hat mich Paul Philips gebracht. Ich interviewte ihn vor drei Jahren, als er die Baumgartner-Challenge gewonnen hatte. Vor der Aufnahme tranken wir einen Kaffee zusammen und sprachen \u00fcber zuk\u00fcnftige Projekte. In dem Zusammenhang erw\u00e4hnte er die Todesj\u00e4ger und dass er da gerne mal mitmachen w\u00fcrde. Wir vertieften das Thema aber nicht. Einige Tage sp\u00e4ter, als ich meine Notizen durchsah, stie\u00df ich wieder darauf. Zwar hatte ich schon von den J\u00e4gern geh\u00f6rt, meinte aber, das sei eher etwas f\u00fcr Nerds als f\u00fcr richtige Sportler. Wenn sich aber Paul Philips daf\u00fcr interessierte, dachte ich mir, dann musste eigentlich mehr dran sein. Ich fing an zu recherchieren und zwei Wochen sp\u00e4ter traf ich mich mit Solveigh Hartmann, der erfolgreichsten J\u00e4gerin in Deutschland. Sie nahm mich dann auch auf meine erste Jagd mit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSolveigh Hartmann \u2013 durch dein Buch mittlerweile sehr bekannt \u2013 wir haben sie am Telefon. Hallo Solveigh!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHallo Peter, hallo Betsy.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHallo Solvi.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSolveigh, wie war das mit Betsy? Hat sie genervt oder konnte man mit ihr was anfangen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBetsy war klasse. Eine 1a-J\u00e4gerin. Hatte den Dreh sofort raus. Bei unserem Sport kommt ja viel zusammen. Wir m\u00fcssen gut vernetzt sein, immer die Augen offen haben, unser Revier in und auswendig kennen. Und sobald wir eine F\u00e4hrte aufgenommen haben, wahnsinnig schnell sein. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Minute zu sp\u00e4t zu kommen und die Arbeit von Stunden, manchmal sogar Tagen ist v\u00f6llig umsonst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo bist du gerade Solveigh?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn London. Bei einem Treffen mit unseren Kollegen hier aus der Stadt. \u201c<\/p>\n<p>\u201eErfahrungsaustausch sozusagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, genau. Wir gehen gemeinsam auf die Jagd, beobachten, wie unsere Freunde hier vorgehen und erz\u00e4hlen, was wir anders machen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas h\u00f6rt sich nach viel Spa\u00df an.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen haben wir, definitiv.\u201c<\/p>\n<p>\u201cDann w\u00fcnschen wir dir noch eine interessante Zeit in London. Mach es gut Solveigh.\u201d<\/p>\n<p>\u201cTsch\u00fcss Peter, Tsch\u00fcss Betsy.\u201d<\/p>\n<p>\u201eCiao Solvi.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut Betsy, wir machen jetzt ein paar Minuten Werbung und dann erz\u00e4hlst du uns, wie so eine Jagd genau abl\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; *<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWillkommen zur\u00fcck bei Radio Paradies. Ich bin Peter Opatsky und bei mir ist die Sportjournalistin und Buchautorin Betsy Schwindelig. Betsy, wie funktioniert das mit den Todesjagden? Wie geht man da vor? Was braucht man dazu?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas erste was man braucht ist ein Team und ein Revier. Die J\u00e4ger nehmen meist Landkreise. Ist das Team nicht so gro\u00df oder ist das Revier sehr ergiebig, konzentriert man sich auf zwei oder drei Gemeinden. Die J\u00e4ger m\u00fcssen ihr Revier sehr gut kennen und wissen, wo potentielle Ziele sein k\u00f6nnten. Ergiebig sind Orte mit einem hohen Anteil an religi\u00f6sen Fundamentalisten, politischen Extremisten, bildungsresistenten Zukurzgekommenen und gelangweilten Mittelst\u00e4ndlern. In den wohlhabenden Gegenden passiert selten etwas. Die befriedigen ihre Bed\u00fcrfnisse eher im privaten Rahmen.<\/p>\n<p>Jeder im Team bekommt einen Bezirk zugewiesen, den er st\u00e4ndig \u00fcberwacht. Vor allem \u00fcber die sozialen Netzwerke. Hier merkt am ehesten, wenn sich etwas zusammenbraut. Nat\u00fcrlich geht man auch auf politische Veranstaltungen oder Demonstrationen. Man besucht B\u00fcrgertreffen und kulturelle Events, die ein gewisses Konfliktpotential haben. Je besser er seinen Bezirk kennt, umso schneller merkt der J\u00e4ger, wo sich etwas abspielen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWorauf achtet der J\u00e4ger? Woran merkt er: Mensch, da k\u00f6nnte gleich etwas passieren?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs braucht zun\u00e4chst eine Gruppe, deren emotionaler Grundzustand schon \u00fcber das herk\u00f6mmliche Unzufriedenheits- oder Frustrationsniveau hinaus angespannt ist. Dieser Gruppe gegen\u00fcber muss eine Minderheit stehen, die f\u00fcr das \u00dcbel verantwortlich gemacht wird. Wird die Gruppe nun entsprechend gef\u00fchrt und bekommt ein Mitglied der entsprechenden Minderheit in ihre Gewalt, nehmen die Dinge ihren Lauf. Der J\u00e4ger muss also antizipieren, welche Gruppe in dieser Hinsicht am anf\u00e4lligsten ist und ob irgendwelche Ereignisse eine bestimmte Gruppe motivieren k\u00f6nnte, t\u00e4tig zu werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas passiert dann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer J\u00e4ger ruft sein Team. Ziel ist, dass alle zusammen sind, bevor es zur Tat kommt. Nur wenn die ganze Gruppe die Hinrichtung beobachtet, ist es eine gelungene Jagd. Auf der anderen Seite gelten falsche Alarme als Niederlage und ein J\u00e4ger, dem das drei Mal hintereinander passiert, muss das Team verlassen. Genauso verh\u00e4lt es sich, wenn der der J\u00e4ger ein Vorkommnis in seinem Bezirk nicht mitbekommt. \u00d6fter als drei Mal darf ihm das nicht passieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKnallharter Sport.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Einige Teams haben mittlerweile die Zw\u00f6lf-Monats-Klausel eingef\u00fchrt, nach der am Ende eines Jahres alle Misserfolge gestrichen werden. Ich denke, das wird sich langfristig durchsetzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist das Ziel der Teams? Besser zu sein als die anderen, m\u00f6glichst viel Likes auf Facebook zu bekommen, oder sich selbst immer wieder zu \u00fcbertreffen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich steht jedes Team in Konkurrenz zu allen anderen Teams hier Deutschland und auch der ganzen Welt. Ziel ist es, im Territorium eines Teams keinen einzigen Lynchmord zu verpassen und bei jedem mit dem ganzen Team dabei gewesen zu sein. Wer das erreicht, geh\u00f6rt zu den ganz Gro\u00dfen. Likes interessieren weniger, wobei nat\u00fcrlich die Pr\u00e4sentation der Erfolge in den sozialen Medien eine gro\u00dfe Rolle spielt. \u201c<\/p>\n<p>\u201eAnstrengung will auch anerkannt sein. Das verstehen wir, glaube ich, alle.<\/p>\n<p>Wir machen jetzt noch einmal ein bisschen Werbung und dann erz\u00e4hlt Betsy uns von ihrer ersten Jagd.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">*<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eRadio Paradies im Gespr\u00e4ch mit Betsy Schwindelig, Autorin des Buches \u201eDie Todesj\u00e4ger\u201c und Betsy wird uns jetzt von ihrer ersten Jagd berichten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch war mit Solveigh unterwegs. Ihr Bezirk liegt im Taunus, n\u00f6rdlich von Frankfurt. Sie hat dort einige Brennpunkte, evangelikale Gemeinden zumeist, aber auch Sadistenzirkel aus Handwerkermilieus, Orte unter Scharia-Gesetzgebung, Esoteriker-Siedlungen. Diesmal aber landeten wir in einem gemischten Stadtteil mit eher gem\u00e4\u00dfigter Anwohnerschaft. Banale Sache eigentlich. Es fanden dort immer wieder Einbr\u00fcche statt, aber da nie Spuren hinterlassen wurden, gab es f\u00fcr die Polizei keinerlei Anhaltspunkte. Einer der Gesch\u00e4digten schrieb auf Facebook, er vermute, dass der alte Schrotth\u00e4ndler, der jeden Samstag durch die Siedlung fuhr, es weniger auf Altmetal abgesehen h\u00e4tte, als zu erkunden, wo sich das Einbrechen lohne. Sein Posting bekam reichlich Zustimmung von Freunden und Nachbarn. Hier wurde Solveigh hellh\u00f6rig, wobei sie meinte, die Sache k\u00f6nne sich schnell verlaufen, wenn nicht mehr passierte. Aber man m\u00fcsse es im Auge behalten.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Und Betsy, ist noch mehr passiert?&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Allerdings. Bald darauf wurde in der Siedlung n\u00e4mlich wieder eingebrochen, diesmal aber ein Kinderm\u00e4dchen, das den Eindringling ertappte, schwer verletzt. Im Netz wurde daraus schnell ein Angriff auf das Kind, welches dem Kinderm\u00e4dchen anvertraut worden war. Als auf Twitter gepostet wurde, das Kinderm\u00e4dchen und auch das Kind seien gestorben, rief Solveigh ihr Team zusammen: Treffpunkt vor der Hofeinfahrt des Schrotth\u00e4ndlers. Als wir ankamen, hatten schon die ersten das Tor aufgebrochen und kurz darauf wurde der Schrotth\u00e4ndler aus dem Haus gezerrt. Sie banden ihn an eines der Metallgestelle, die in dem Hof standen und trennten ihm mit einer Flex zuerst H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe, dann den Kopf ab. Solveigh postierte ihr Team so, dass alle auf dem Bild waren, w\u00e4hrend im Hintergrund der Schrotth\u00e4ndler seine F\u00fc\u00dfe verlor. Ein voller Erfolg.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSolveigh, unser Champion!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh ja, das ist sie. Sie hat eine wahnsinnige Menschenkenntnis, sie wei\u00df, wie die Leute ticken. Als das mit dem Kinderm\u00e4dchen passierte, war ihr klar, jetzt eskaliert es. Solveigh ist im Schnitt immer drei Minuten vor Beginn eines Lynchens mit ihrem Team vor Ort. Das schafft so gut wie niemand.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie halten die J\u00e4ger sich fit? Du hast ja bei deiner Arbeit an dem Buch mit sehr vielen gesprochen? Haben sie einen Trainingsplan, oder macht es jeder irgendwie anders?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich ist es sehr individuell und von Team zu Team verschieden. Schwerpunkt bei allen ist aber das Empathie-Training und die Verfeinerung der social skills. Jeder J\u00e4ger hat Dutzende von Fake-Accounts und muss in der Lage sein, in verschiedene Rollen zu schl\u00fcpfen, um immer an die neusten Informationen zu kommen. Dazu kommt die Handhabung diverser \u00dcberwachungs- und Abh\u00f6rtechniken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist mit Waffen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWaffen ist ein absolutes No-Go. Oberstes Motto ist: Niemand kommt zu Schaden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBetsy, das ist alles furchtbar spannend und wir k\u00f6nnten die noch die ganze Nacht zuh\u00f6ren, aber du hast ja noch einen Termin. Deswegen die letzte Frage: kannst du uns noch irgendetwas Lustiges erz\u00e4hlen, was du mit den J\u00e4gern erlebt hast. Eine Anekdote sozusagen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eLass mich \u00fcberlegen\u2026 Ich war mit einem Team am Starnberger See unterwegs. Es gab zun\u00e4chst einen falschen Alarm. Ein Lehrer hatte angeblich eine seine Sch\u00fclerinnen misshandelt oder einfach nur angefasst. Ihr Vater fuhr mit einigen Freunden zum Haus des Lehrers, aber als sie ankamen stand da schon die Polizei und ein Krankenwagen. Der Lehrer, so erfuhren wir \u00fcber einen Informanten, hatte einen F\u00f6n in sein Badewasser fallen lassen. Das Team war nat\u00fcrlich entt\u00e4uscht und es entstand eine hitzige Diskussion dar\u00fcber, ob es nun Selbstmord war oder vielleicht die Frau des Lehrers das Badewasser unter Strom gesetzt habe. Alle redeten durcheinander. Au\u00dfer Lazlo, dem der Bezirk zugeteilt war und der nun schon den zweiten Fehlalarm innerhalb einer Woche auf dem Konto hatte.&nbsp; Er stieg aus dem Auto, z\u00fcndete sich eine Zigarette an und starrte in den Himmel. Ich ging zu ihm und sagte, beim n\u00e4chsten Mal w\u00fcrde es bestimmt klappen. Und er sagte: \u201aIch hasse die Schuldigen. Die gehen entweder zur Polizei oder machen selbst Schluss. F\u00fcr einen guten Lynchmord brauchst du einen Unschuldigen. Der rennt nicht weg, sondern stellt sich der Situation. Aber es gibt einfach zu wenig Unschuldige.\u2018 Einen Moment war es still, aber dann mussten wir beide laut loslachen. Das war einfach zu gut. Es gibt zu wenig Unschuldige.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist gro\u00dfartig Betsy. DU bist gro\u00dfartig. Vielen Dank f\u00fcr deinen Besuch und liebe Leute da drau\u00dfen, kauft \u201eDie Todesj\u00e4ger\u201c von Betsy Schwindelig. Ihr werdet es nicht bereuen.<\/p>\n<p>Auf Wiedersehen Betsy.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuf Wiedersehen Peter. Und vielen Dank!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGuten Abend und hallo liebes Deutschland. Hier ist Euer Radio Paradies, ich bin Peter Opatsky und wir haben f\u00fcr Euch wieder das Neueste aus Gesellschaft und Kultur. Und wie jedes Mal, begr\u00fc\u00dfen wir auch heute einen Gast im Studio. Ich darf euch vorstellen: Betsy Schwindelig, die bekannte Sportjournalistin und Autorin des Bestsellers \u201aDie Todesj\u00e4ger\u2018. 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