{"id":1151,"date":"2018-10-28T20:15:27","date_gmt":"2018-10-28T18:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=1151"},"modified":"2021-04-11T08:26:47","modified_gmt":"2021-04-11T08:26:47","slug":"2018-43-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=1151","title":{"rendered":"2018\/43"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eIt\u2019s either sadness or euphoria.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Billy Joel &#8211;\u00a0 Summer, Highland Falls<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lekt\u00fcre:<\/strong><\/p>\n<p><em>Axel Honneth \u2013 Anerkennung<\/em> (angefangen)<\/p>\n<p>Honneths Buch beschreibt die Geschichte des Begriffes \u201eAnerkennung\u201c, wobei er sich auf die Denktraditionen in Frankreich, England und Deutschland konzentriert. Honneth ist ein Spross der Frankfurter Schule (das Buch ist seinem Doktorvater Habermas gewidmet) und damit eine Antipode zu Sloterdijk, mit dem er sich \u00fcber das Thema der Besteuerung Verm\u00f6gender vor einigen Jahren kr\u00e4ftig in die Haare geriet.<\/p>\n<p>Schon auf den ersten Seiten (es geht um Rousseau) ein Erkenntnisgewinn: Man kann unterscheiden zwischen der a<em>mour de soi, <\/em>der Liebe zum eigenen Sein, die ganz auf sich selbst und das Fortbestehen der eigenen Existenz konzentriert ist, und der <em>amour propre<\/em>, die einen Betrachter erfordert, in dessen Augen man vorteilhaft erscheinen m\u00f6chte. Zweitere wird von dem franz\u00f6sischen Philosophen negativ beurteilt, weil diese <em>Selbstliebe <\/em>einen dazu verf\u00fchren kann, sich vor anderen zu verstellen, um deren Wohlwollen zu erlangen.<\/p>\n<p>Ich denke, evolutionshistorisch sind beide Verhaltensweisen gut zu erkl\u00e4ren. Zum einen die instinktive Verteidigung der eigenen Existenz, bei der man sich nicht darum schert, was Andere wohl dar\u00fcber denken, spielen die Anderen doch keinerlei Rolle mehr, unterliegt man in diesem Kampf. \u00a0Auf der anderen Seite die Positionierung im sozialen Geflecht, in dem man sich befindet. Anerkennung sichert das \u00dcberleben innerhalb der Gruppe. Akzeptanz der anderen Gruppenmitglieder, vor allem der Gruppenf\u00fchrer (diejenigen, die \u00fcber die Verteilung der Ressourcen entscheiden), bietet einen \u00dcberlebensvorteil gegen\u00fcber denjenigen, die am Rand stehen. Daher auch die Bereitschaft, mehr aus sich zu machen, als man eigentlich ist.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird verst\u00e4ndlich, dass die Entwicklung der kognitiven F\u00e4higkeiten der Fr\u00fchmenschen stark mit dem sozialen Gef\u00fcge verbunden war, das sie ausbildeten. Die F\u00e4higkeit \u00fcber sich hinauszudenken und zu antizipieren was andere dachten, sicherte den eigenen Fortbestand.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt auch den Erfolg von Religionen. Waren die G\u00f6tter erst in das soziale Gef\u00fcge implementiert, mussten auch sie in die \u00dcberlegungen der <em>amour propre<\/em> einbezogen werden . Da Bedrohung und Belohnung irgendwann das \u00fcberstieg, was andere Menschen anbieten oder androhen konnten, standen sie ( bzw. mit dem Aufkommen des Monotheismus der eine Gott) bei diesen \u00dcberlegungen an erster Stelle. Interessant daran ist, dass es dennoch kein Gott geschafft hat, dem Menschen die Schauspielerei ganz auszutreiben und selbst in Kreisen fundamentalistischer Glaubensauslegung und -aus\u00fcbung, Heuchelei und Verstellung an der Tagesordnung sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schreiben:<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Gymnasium in Duisburg schreiben Sch\u00fcler im Leistungskurs Deutsch Klausuren \u00fcber meinen Text<a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/die-frechheit\/\"> <em>\u201eDie Frechheit\u201c<\/em> <\/a>( was mich nat\u00fcrlich ungemein freut und auch stolz macht) und ich frage mich, warum ich immer wieder so dumm bin, meine Texte bei Wettbewerben einer mir v\u00f6llig fremden Jury zu Beurteilung deren Qualit\u00e4t und eventuellen Weiterverwertung zu schicken. Nat\u00fcrlich ist nicht alles was man schreibt wirklich \u201egut\u201c, \u00a0aber ich sollte doch mittlerweile selbstbewusst genug sein, mir die Best\u00e4tigung der gewiss vorhandenen schriftstellerischen F\u00e4higkeit nicht aus Kreisen einer zuallererst sich selbst verpflichteten Aufmerksamkeitsmaschinerie holen zu wollen. Vor allem, weil thematische Vorgaben und Begrenzungen des Umfangs einen Text nie das werden lassen, was er werden will, sondern nur, was er werden soll. Und das ist immer nur das zweitbeste Ergebnis.<\/p>\n<p>Wenn man gewinnt, sieht man das naturgem\u00e4\u00df anders.<\/p>\n<p>Schreiben, das sollte auch aus der <em>amour de soi<\/em> herausgeschehen, aus einem reinen Selbsterhaltungstrieb, ohne R\u00fccksicht auf die Anderen. L\u00e4sst man sich von seiner <em>amour propre<\/em> leiten und versucht zu gefallen, so mag das hin und wieder die gew\u00fcnschte Anerkennung einbringen und vielleicht sogar einen Platz im Dunstkreis der Nahrungsverteiler. Wird man allerdings von dort verjagt, so steht man alleine da und hat vielleicht verlernt zu \u00fcberleben, wenn man ganz auf sich alleine gestellt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hessenwahl:<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Hochrechnungen sind da. Keine wirkliche \u00dcberraschung. CDU und SPD verlieren, Gr\u00fcne und AfD gewinnen. Mit dieser Wahl aber ist die AfD jetzt bundesweit in den Landesparlamenten vertreten und kann nun in der gesamten Republik ihre Unf\u00e4higkeit in Bezug auf konstruktive Politikarbeit unter Beweis stellen. Was ihre Anh\u00e4nger allerdings nicht st\u00f6ren wird, geht es ihnen ja nicht um Teilhabe am demokratischen Prozess, sondern lediglich um eine Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr ihre Wut , die sie selbst gar nicht begr\u00fcnden k\u00f6nnen (wirtschaftlich stehen die meisten ja recht gut da) und deswegen auf den Fremden, den Migranten, den Moslem, den Schwulen oder sonstwelche Randgruppenbewohner zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen, damit ihre schlechte Laune etwas hat, auf dem sie dauerhaft Platz nehmen kann.<\/p>\n<p>Die Prognose, dass die SPD, wenn sie es jetzt nicht kapiert, den Zug wohl endg\u00fcltig hat davonfahren lassen, ist ziemlich ungewagt. Bei Vermutungen, wie lange Angela Merkel noch Kanzlerin sein wird, muss man sich da schon etwas weiter aus dem Fenster lehnen. Man wird aber, so denke ich, nicht hinausfallen, prognostiziert man das Ende ihre Kanzlerschaft im kommenden Jahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1151","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1151"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1166,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1151\/revisions\/1166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}