{"id":1163,"date":"2018-11-04T22:12:18","date_gmt":"2018-11-04T20:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=1163"},"modified":"2021-04-11T08:26:47","modified_gmt":"2021-04-11T08:26:47","slug":"2018-44-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=1163","title":{"rendered":"2018\/44"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Wer sich selbst verachtet, achtet sich dabei immer noch als Ver\u00e4chter.<\/em><\/p>\n<p>Nietzsche<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Religion I:<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Ungl\u00fcck f\u00fcr Frauen war das Aufkommen und die Durchsetzung eines monotheistischen Weltbildes. Nat\u00fcrlich ist das m\u00e4nnliche Dominanzstreben in erster Linie evolutionsbedingt, aber es gab immer kulturelle Entwicklungen, die ihm Z\u00fcgel anlegen konnten. Dort wo viele G\u00f6tter verehrt wurden, waren immer auch G\u00f6ttinnen Teil des Himmels, manchmal sogar in der \u00dcberzahl und\/oder m\u00e4chtiger als ihre m\u00e4nnlichen Gegen- und Mitspieler. Jedenfalls hatte Frauen in einer solchen Gesellschaft eine \u00fcbermenschliche Figur, auf die sie sich berufen konnten. Das Selbstbewusstsein der G\u00f6ttin strahlte auf die Anbeterin zur\u00fcck und konnte ihr helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten.<\/p>\n<p>Der Monotheismus dagegen, mit seinem einen m\u00e4nnlichen Gott, bot solche Bezugspunkte f\u00fcr Frauen nicht mehr. Im Gegenteil, unter seiner steinharten Hand, konnte sich das m\u00e4nnliche Dominanzgehabe vollkommen ungest\u00f6rt ausleben und die wildesten Bl\u00fcten treiben. Je mehr dieses Weltbild sich durchsetzte, desto misogyner wurde es. Gab es in den j\u00fcdischen Erz\u00e4hlungen und Mythen doch immer wieder starke Frauen, die zeitweise sogar dem Volk vorstanden, hatte das Christentum au\u00dfer einer \u00fcberidealisierten Gottesmutter f\u00fcr Frauen nichts mehr anzubieten. Sie sollten, da war Paulus unmissverst\u00e4ndlich, in aller Stille dem Manne unterw\u00fcrfig und zu Diensten sein. Der Islam schlie\u00dflich verzichtete g\u00e4nzlich auf eine weibliche Figur in seiner Ideologie. Kein Wunder, dass die Unterdr\u00fcckung der Frau in dieser Religion am systematischsten ist.<\/p>\n<p>Obige Gedanken kamen mir, als der Teenager im Haus erz\u00e4hlte, sie solle f\u00fcr den Religionsunterricht einen Essay dar\u00fcber schreiben, warum die Religion einen evolution\u00e4ren Vorteil geboten hat und auch dazu beigetragen h\u00e4tte, die Rolle der Frau zu st\u00e4rken. Schade, dass man junge Erwachsene in der Schule mit solchem Bullshit behelligt. Gut ist, wenn sie fr\u00fch gelernt haben, selbst zu denken, sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht auf mit Halbwahrheiten gespickte Ideologiewerbung hereinzufallen. Jedenfalls stand in dem Aufsatz des Teenagers nicht das, was der Lehrer gerne lesen wollte.<\/p>\n<p>Eine der Sachen, die schnellsten abgeschafft werden sollten: konfessionsgebundener Religionsunterricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Religion II:<\/p>\n<p>In Pakistan ist eine Katholikin, die vor sechs Jahren wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde, nun vom obersten Gericht des Landes freigesprochen worden, weil ihre Schuld nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Das hat der islamischen Geistlichkeit nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht gefallen und so hat sie binnen Stunden eine Menge an Protesten organisiert, ja einen nationalen Aufschrei veranstaltet, sodass die Regierung mittlerweile wieder eingeknickt ist und ein Revisionsverfahren angeordnet hat. Man kann davon ausgehen, das Urteil wird gekippt und die arme Frau wird am Ende doch noch ihr Leben lassen m\u00fcssen, damit eine Horde dummer und w\u00fctender M\u00e4nner Genugtuung erfahren.<\/p>\n<p>Wann immer jemand sagt, man m\u00fcsse jede Kultur respektieren, denke ich: Nein, das muss ich nicht. Eine Gesellschaft, die Menschen t\u00f6tet, nur weil diese an etwas anderes glauben, hat keinen Respekt, verdient.<\/p>\n<p>In zw\u00f6lf L\u00e4ndern kann man wegen Abfall vom Glauben oder Blasphemie mit dem Tod bestraft werden und in einigen davon wird Atheismus mit Terrorismus gleichgesetzt, auf den ebenfalls die Todesstrafe steht. Alle diese L\u00e4nder sind islamisch, was aber kein Grund sein sollte, mit dem Finger nur auf die Mullahs und ihre Gefolgschaft zu zeigen, denn h\u00e4tte die Kirche hierzulande die gleiche Macht, sie w\u00fcrde es genauso machen. Und auch au\u00dferhalb des Klerus sehnt sich so mancher nach der guten alten Zeit, wo man den Widerspenstigen, den Kritikern, den H\u00e4retikern und Abtr\u00fcnnigen noch kr\u00e4ftig das freche Maul gestopft hat. So w\u00fcnschte sich der fromme Wortgirlandendreher Mosebach vor einigen Jahren ein Verbot f\u00fcr Blasphemie. Das Karfreitagstanzverbot f\u00fcr die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung sozusagen.<\/p>\n<p>Blasphemie \u2013 das ist ein Verbrechen ohne Opfer. Und Gesetze dagegen zeugen nur von der Ohnmacht des durch eine religi\u00f6s motivierte Justiz gesch\u00fctzten Gottes. Deswegen stirbt auch jeder Gott mit dem letzten Menschen, der an ihn glaubt. Leider wird man noch lange darauf warten m\u00fcssen, bis keiner mehr an Allah, Jahwe, Mohamed oder Jesus glaubt und bis dahin werden noch unz\u00e4hlige Menschen ihr Leben lassen, nur weil sie schon einen Schritt weiter sind und der langen Liste von G\u00f6ttern und Propheten an die niemand mehr glaubt, noch einen hinzugef\u00fcgt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Merkel:<\/p>\n<p>Wer wird NachfolgerIn von Angela Merkel? Und wer hat Friedrich Merz so schnell aus dem Hut gezaubert? Vielleicht ging es ja so wie in der ersten Staffel von House of Cards, in der Frank Underwood jemanden, den niemand auf dem Schirm hatte, als Kandidaten einfach dadurch platzierte, in dem er in einem Zeitungsartikel schreiben lie\u00df, jene Person w\u00fcrde f\u00fcr das fragliche Amt hei\u00df gehandelt. Den Rest erledigte dann ein sich stetig selbst verst\u00e4rkendes Echo.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist durchgesickert, die schw\u00e4bische Rollstuhlqueen h\u00e4tte das mit dem Merz eingef\u00e4delt. Von langer Hand sogar. Wom\u00f6glich ist Sch\u00e4uble als Bundestagspr\u00e4sident ein wenig unterfordert. Jedenfalls werden in den Hinterzimmern jetzt die Messer gewetzt und stapelweise offene Rechnungen aus den Schubladen geholt. Merkel, so scheint es, ficht das nicht besonders an. Sie wei\u00df, dass sie kein Erbe hinterlassen wird. Daher ist es ihr auch egal, wer nach ihr kommt. Der- oder diejenige muss sowieso ganz von vorne anfangen. Bei einem \u201eweiter so\u201c g\u00e4be es bald keine SPD, dann kein Europa und am Ende auch keine CDU mehr. Dass Merkel keine deutsche Patriotin war, ist im Grunde etwas Gutes gewesen. Leider war sie aber auch keine patriotische Europ\u00e4erin. W\u00e4re sie es gewesen, sie h\u00e4tte sich davor zur\u00fcckgehalten die EU durch einen konsequent durchgehaltenen Entsolidarisierungsprozess irreparabel zu sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Kommt jetzt also der Merz? \u00a0Oder doch eher Frau Kramp-Karrenbauer?<\/p>\n<p>Einer hat sich ja noch selbst ins Spiel gebracht: Jens Spahn. Und dabei gleich wieder seine Inkompetenz bescheinigt, als er sagte, das Migrationsproblem sei der wei\u00dfe Elefant im Raum. Das Problem sei weder gel\u00f6st noch die Diskussion dar\u00fcber beendet. Nat\u00fcrlich ist sie nicht beendet, solange Schwachk\u00f6pfe wie Spahn st\u00e4ndig dar\u00fcber reden, als g\u00e4be es keine anderen Probleme. Wissen die Unions- und auch die SPD-Politiker nicht, dass jedes Mal, wenn Sie die W\u00f6rter Migration, Fl\u00fcchtlinge oder Fl\u00fcchtlingskrise in den Mund nehmen, irgendwo ein AfD-W\u00e4hler geboren wird?<\/p>\n<p>Was die Merkel-Nachfolge angeht, wei\u00df ich nicht, was ich hoffen soll. Im Grunde ist es auch egal was die CDU aus sich macht. Deutschland retten kann nur die SPD. Und das hei\u00dft: Wir sind verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lekt\u00fcre:<\/p>\n<p><em>Axel Honneth \u2013 Anerkennung<\/em> (weitergelesen)<\/p>\n<p>Bei Satre ist das Sein des isolierten Objektes ein \u201eF\u00fcr-sich-sein\u201c. Trifft es auf ein anderes Subjekt, wird aus dem F\u00fcr-Sich-Sein ein Mit-anderen-Sein, was die Qualit\u00e4t des Seinempfindens entscheidend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Um darauf zu kommen, muss man sich nat\u00fcrlich nicht durch 800 Seiten <em>\u201eDas Sein und das Nichts\u201c<\/em> k\u00e4mpfen. Es gen\u00fcgt, Menschen zu betrachten, die sich unbeobachtet f\u00fchlen und dann pl\u00f6tzlich feststellen, dass sie beobachtet werden. Die heftige Ver\u00e4nderung des Seinemfpindes vom F\u00fcr-sich zu mit-anderen erzeugt oftmals heftige Emp\u00f6rung bis hin zu starken Aggressionen. Es ist so, als beraube die Anwesenheit eines Anderen uns eines Teiles unseres Seins und propfe uns daf\u00fcr etwas von seinem Sein auf, das wir fortan in unsere \u00dcberlegungen und Handlungen einbeziehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nach Satre waren es dann Althusser und Lacan, die meinten, erst durch die Konfrontation mit dem Anderen k\u00e4me das Subjekt zu einem ad\u00e4quaten Empfinden des eigenen Ich. Auch das ist wahrscheinlich richtig, l\u00e4sst sich im Alltag aber nicht ganz so gut beobachten, weil niemand ganz f\u00fcr sich aufw\u00e4chst. Die verschiedenen Kaspar-Hauser und Wolfsjungen-Geschichten, die im Laufe der Jahrhunderte kursierten, scheinen allerdings, selbst unter Abzug aller Hinzudichtungen, diese These zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Fest steht, wer sich die Frage nach seinem wahren Ich stellt, danach, was f\u00fcr eine Art Mensch er wirklich ist, wird nie nur seine eigene Stimme dazu im Kopf haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1163","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1163"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1167,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions\/1167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}