{"id":1331,"date":"2019-11-10T18:49:16","date_gmt":"2019-11-10T16:49:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=1331"},"modified":"2021-04-11T16:00:42","modified_gmt":"2021-04-11T16:00:42","slug":"fundstuecke-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=1331","title":{"rendered":"Fundst\u00fccke II"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p><strong>Das brennende Bett<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ob Ingeborg Bachmann f\u00fcr junge Lyrikerinnen und Lyriker noch\nvon Bedeutung ist, kann ich nicht sagen. Ich vermute aber, g\u00e4be es nicht den\nnach ihr benannten Literaturwettbewerb in Klagenfurt, d\u00e4chten die meisten, wenn\nsie den Namen Bachmann h\u00f6ren weniger an die \u00f6sterreichische Schriftstellerin,\nsondern vielmehr an den putzigen Waschb\u00e4ren aus den ber\u00fchmten\nKneipenerz\u00e4hlungen von Wilhelm Ortwerg.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Geschichte der deutschen Literatur nach dem zweiten\nWeltkrieg hat Ingeborg Bachmann jedenfalls einen festen Platz und es ist ihr zu\ng\u00f6nnen, dass die Mehrheit jener, die diese Behauptung aufstellen, es im\nHinblick auf ihr literarisches Werk tut und nicht wegen der vielen privaten\nGeschichten, die man sich erz\u00e4hlte und noch erz\u00e4hlt. Bachmann und Celan.\nBachmann und Enzensberger. Bachmann und Frisch. Und den Umst\u00e4nden ihres\nAblebens, im Oktober 73 in Rom.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ausgabe 5\/2014 der Zeitschrift Sinn &amp; Form wurden\nerstmals die Tagebucheintragungen von Christine Koschel &#8211; Lyrikerin,\n\u00dcbersetzerin und Mitherausgeberin der Werke Ingeborg Bachmanns- aus den Tagen\nvor dem Tod Ingeborg Bachmanns ver\u00f6ffentlicht. Sie befand sich damals ebenfalls\nin Rom und wurde von der Familie der Dichterin bevollm\u00e4chtigt, s\u00e4mtliche\nFormalit\u00e4ten zu erledigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fcgt in diesen Aufzeichnungen dem schon Bekannten ein pikantes Detail hinzu. Durch eine Mittelsfrau l\u00e4sst Max Frisch 14.000 Schweizer Franken nach Rom bringen. Die Familie aber will das Geld nicht. Sigfried Unseld schaltet sich ein. Ob man nicht doch. Nein, man will nicht. Nicht von diesem Menschen. Es wird sogar Blut aus der Schweiz nach Rom gebracht, da dort f\u00fcr die n\u00f6tigen Transfusionen nicht gen\u00fcgend Einheiten vorr\u00e4tig sind. Es hilft nichts. Am 17. Oktober stirbt Ingeborg Bachmann.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die allgemein kolportierte Erz\u00e4hlung, Ingeborg Bachmann sei den Verletzungen erlegen, die sie sich in Folge von Verbrennungen zugezogen habe, weil sie mit gl\u00fchender Fluppe im Bett eingeschlafen sei, sind noch nicht einmal die halbe Wahrheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Was ich nicht wusste &#8211; und hier schlie\u00dft sich wieder einmal\neiner jener Kreise, die nur dann entstehen, wenn man sich eine Bibliothek anschafft,\ndie durch best\u00e4ndiges Lesen und Wiederlesen am Leben gehalten und durch Weiter-\nund Gegenlesen st\u00e4ndig vergr\u00f6\u00dfert wird \u2013 ist, dass Roberto Calasso, von dem ich\nalles besitze, was von ihm auf Deutsch ver\u00f6ffentlicht wurde und der, auch wenn\nmir sein letztes Buch ob seiner geriatrischen Verbocktheit ziemlich auf die Nerven\nging, zu meinen Lieblingsautoren z\u00e4hlt, in jenen Tagen, als sich Ingeborg\nBachmann im Schwebezustand zwischen Leben und Tod befand, ebenfalls immer\nwieder im Krankenhaus einfand, um sich nach dem Befinden der Patientin zu\nerkundigen. Das mag aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden so gewesen sein oder einfach nur,\nweil sein Verlag (Adelphi, Mailand) gerade Bachmanns Malina auf Italienisch\nherausgegeben hatte und er um seine Investitionen f\u00fcrchtete. Wahrscheinlich war\nes eine Mischung aus beidem. In Koschels Bericht jedenfalls kommt Calasso nicht\nwirklich gut weg. Er erscheint wie einer, der ein Problem l\u00f6sen muss und nicht\nwie jemand, der Anteil nimmt. In den letzten Eintragungen vor Bachmanns Tod\ntaucht er auch nicht mehr auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problematische an den Tagebucheintragungen von Frau Koschel ist, dass sie einen nicht neugierig machen, weder auf den Menschen Ingeborg Bachmann, noch auf ihr literarisches Schaffen. Betr\u00e4fen ihre Aufzeichnung eine andere Person, verl\u00f6re ihr Bericht nichts an Dramatik. Da es aber um <em>die Bachmann<\/em> geht, legen sich automatisch Schichten des Kolportierten und irgendwo Aufgeschnappten \u00fcber die Erz\u00e4hlung und machen es, trotz des Bem\u00fchens genau diesem entgegenzuwirken, zum Klatsch. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leserbriefe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich kaufe gerne gebrauchte B\u00fccher. Es ist der gleiche Impuls, der jemanden statt zum Z\u00fcchter ins Tierheim gehen l\u00e4sst, wenn er sich ein Haustier anschaffen m\u00f6chte. Das, worauf es ankommt hat nichts mit Ungebraucht- oder Neuheit zu tun, sondern liegt im Wesen des Dinges selbst. Gute B\u00fccher haben kein Verfallsdatum und es st\u00f6ren mich weder ein paar Eselsohren, noch ein leicht abgewetzter Einband oder ein paar Flecken am Schnitt (ein Buch, das \u00fcbel riecht, nach Rauch zum Beispiel, w\u00fcrde ich allerdings nicht haben wollen). <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Flohmarkt ist der sch\u00f6nste Ort um gebrauchte B\u00fccher zu\nerwerben. Hier kommt man in direkten Kontakt mit dem begehrten Gegenstand und\nwei\u00df sofort ob daraus eine Beziehung wird. Einmal habe ich \u00fcber diesen Weg\nsogar ein Buch gefunden, das ich einst verloren hatte. Es war zwar nicht genau\ndasselbe, aber haargenau das gleiche, mit einer Beigabe versehen sogar, was mir\ndiesen besonderen Fund noch wertvoller machte, obwohl es sich bei dem Buch um\nein ziemlich abscheuliches handelte, ein \u00fcbles Machwerk v\u00f6lkisch-kriegerischer\nPropaganda, aber eben auch Teil meiner Geschichte als Leser.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich herausstellte, dass ich als einziger ihrer vier Enkel eine sogenannte Leseratte (in meiner streng religi\u00f6sen Familie hatte dieser Begriff eine gewisse negative Schwingung, als w\u00fcrde Ratte st\u00e4rker betont, als das Lese), w\u00fchlte meine Gro\u00dfmutter eines Tages in alten Kisten, die sich in ihrem Keller befanden und kam schlie\u00dflich mit einer Handvoll muffig riechender B\u00fccher zur\u00fcck. Die schwarzen und grauen Stoffeinb\u00e4nde hatten Stockflecken und die Schnitte waren \u00fcbers\u00e4t mit Flecken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier\u201c, sagte meine Gro\u00dfmutter und stellte den Stapel vor\nmich hin (ich war dreizehn oder vierzehn Jahre alt). \u201eDas haben wir uns fr\u00fcher\nzu Weihnachten geschenkt. Keine Ahnung ob was Gutes dabei ist. Du wirst es\nsehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p> Die B\u00fccher waren Anfang der drei\u00dfiger Jahre ver\u00f6ffentlich worden. An zwei davon kann ich mich besonders gut erinnern und es ist vielleicht ein Zufall, vielleicht aber einfach nur ein Zeichen f\u00fcr die Heterogenit\u00e4t der Zeitl\u00e4ufte, dass es sich bei den beiden B\u00fcchern um Werke handelte, die sich um denselben Gegenstand drehten, aber diametrale Standpunkte dazu einnahmen, \u00e4hnlich der aktuellen Debatte um Handke und Stanisic. Es handelte sich um Remarques \u201eIm Westen Nichts Neues\u201c und dem Roman \u201eGespenster am Toten Mann\u201c von Paul Coelistin Ettighofer. Ersteres eines der weltweit bekanntesten auf Deutsch verfassten B\u00fccher. Das zweite zu Recht v\u00f6llig in Vergessenheit geraten (g\u00e4be es nicht Wikipedia w\u00fcsste heute keiner mehr davon). Beide B\u00fccher handeln vom Ersten Weltkrieg und den traumatischen Erlebnissen der Frontsoldaten. F\u00fcr einen jungen Kerl von dreizehn Jahren, der in der geistigen Enge eines christlichen Vulg\u00e4rfundamentalismus aufwuchs, waren beide B\u00fccher eine Abenteuerreise unvorstellbaren Ausma\u00dfes. Zwar sa\u00df einem beim Lesen stets der Schreck im Nacken, dennoch konnte man nicht davon lassen sich selbst in dieses Bild zu imaginieren als solcher, der als \u00dcberlebender heimkehrt und somit all jenen, die einem im t\u00e4glichen Leben bis ins kleinste alles vorgaben etwas voraus hatte und in seinem Erfahrungsschatz nicht zu \u00fcbertreffen war. Remarques Buch las ich vielleicht drei oder vier Mal, den Ettighofer bestimmt doppelt so oft. Heute wei\u00df ich warum. Seine Suggestivkraft ist unvergleichlich h\u00f6her. Obwohl die gleichen Grausamkeiten geschildert werden, rufen sie im (vor allem jungen, m\u00e4nnlichen) Leser unterschiedliche Reaktionen hervor. Bei Remarque wird der kollektive Taumel, in den die gesamte deutsche Gesellschaft 1914 verfiel im Trommelfeuer zermalmt und am Ende stirbt selbst der Erz\u00e4hler. Ettighofer dagegen h\u00e4lt den teutonischen Enthusiasmus bis in die letzte Zeile aufrecht. Im Gegensatz zu Remarque, folgt auf die Begeisterung keine Ern\u00fcchterung. Die Kampfeslust verdampft nicht unter den unz\u00e4hligen Opfern, sondern sie wird lediglich durch die Niederlage unterdr\u00fcckt und es besteht kein Zweifel, dass sie eines Tages wieder aufleben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Buch, an das ich mich erinnere, war auch von\nEttighofer. Es hie\u00df \u201eNacht \u00fcber Sibirien\u201c und schilderte die Flucht eines\nenttarnten deutschen Agenten von Sibirien nach Deutschland und war ein\nVorl\u00e4ufer von \u201eSo weit die F\u00fc\u00dfe tragen\u201c von Josef Martin Bauer \u2013 eventuell\nsogar die Vorlage.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider gingen mir die B\u00fccher der Gro\u00dfmutter im Laufe vieler Orts- und Landeswechsel verloren. Ich vermisste ich sie auch nicht, hatten sich meine Lesevorlieben doch mittlerweile grundlegend ge\u00e4ndert. Bei einem Wienaufenthalt im Jahr 2006 besuchte ich den Naschmarkt und schlenderte auch \u00fcber den dahinterliegenden Flohmarkt. Viele St\u00e4nde boten alte B\u00fccher feil und so verbrachte ich geraume Zeit mit dem Durchw\u00fchlen von alten Kisten. Und in einer fand ich \u201eGespenster am Toten Mann\u201c. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2019\/11\/IMG_20191009_192400-768x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1334\" data-link=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?attachment_id=1334\" class=\"wp-image-1334\"\/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Er sah genauso aus, wie das Exemplar, das ich einst besessen hatte. Allerdings befand sich ein handbeschriebener Zettel darin auf dem stand:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWer selbst an der Front gek\u00e4mpft hat, muss best\u00e4tigen, dass\nin diesem Buch kein Wort erlogen ist, sondern das ist die Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Undank ist der Weldlohn. (sic)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2019\/11\/IMG_20191009_192421-768x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1338\" data-link=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?attachment_id=1338\" class=\"wp-image-1338\"\/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Obwohl mittlerweile dem Inhalt des Buches mehr als skeptisch\ngegen\u00fcberstehend, freute mich der Fund und ich kaufte das Buch sofort. Es war,\nals h\u00e4tte es von mir ausgehend eine Reise unternommen und dabei noch ein\nArtefakt aus der Vergangenheit eingesammelt. Von wem stammte diese\neigent\u00fcmliche, ungelenk formulierte Nachricht? Und an wen war sie gerichtet? <\/p>\n\n\n\n<p>Der Schreiber war offensichtlich ein Weltkriegsveteran. Er verwendet kein S\u00fctterlin, was anzeigt, dass er vor der Jahrhundertwende zur Schule gegangen sein muss. Er wird dieses Buch in der Erstausgabe (welche sie tats\u00e4chlich ist) erstanden und sofort begierig gelesen haben. F\u00fcr wen aber die Nachricht? Ich denke, er machte das Buch einem Freunde zum Geschenk. Jemandem, der zwar nicht seine Erfahrungen als Weltkriegssoldat teilte, aber dennoch unter den Folgen des Krieges litt. In materialer, aber vor allem in psychologischer Hinsicht. Der Schreiber jedenfalls war sich der Vergeblichkeit dieses uns\u00e4glichen Opfergangs zwischen 1914 und 1918 bewusst und seine Worte spiegeln die Gem\u00fctslage vieler Deutscher w\u00e4hrend der Weimarer Republik. Es ist anzunehmen, dass er den Aufstieg der Nationalsozialisten begr\u00fc\u00dfte und durch sie die Schande, die er so lange empfunden hatte, getilgt sah. Wahrscheinlich \u00fcberlebte er den Krieg und das Buch geriet mit anderen Hinterlassenschaften in den Besitz der nachfolgenden Generation. Die wusste damit nichts anzufangen, schlug das Buch nicht einmal auf sondern, nachdem auch sie gezwungen war, sich dem Alter und der allm\u00e4hlichen Aufl\u00f6sung des eigenen Lebensumfeldes zu stellen, \u00fcbergab es den Kindern und Enkeln, damit sie damit machten, was immer sie f\u00fcr das beste hielten. Und das war der Flohmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck in die Gegenwart. Auf der Suche nach interessanten Essayb\u00e4nden sto\u00dfe ich auf das Buch \u201e\u00dcber die Dummheit der Stunde\u201c von Olga Martynova, Bachmann-Preistr\u00e4gerin von 2012. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2019\/11\/IMG_20191009_192324-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1340\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Autorin ist mir unbekannt, aber der Titel gef\u00e4llt mir und Amazon bietet ein gebrauchtes Exemplar f\u00fcr kleines Geld an. Einige Tage sp\u00e4ter kommt das Buch. Es ist wie neu. Und auf der dritten Seite hat die Autorin das Buch handschriftlich mit Datum signiert. Linz, 31.01.2019.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2019\/11\/IMG_20191009_192249-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1342\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine kurze Internetrecherche best\u00e4tigt, dass Frau Martynova tats\u00e4chlich am 31. Januar in Linz an einer Lesung teilgenommen hatte. Und ich frage mich, wer verkauft f\u00fcr einen Centbetrag (mehr bekommt man nicht, wenn man seine B\u00fccher an Medimops oder wie die Gebrauchtbuchdealer sonst so hei\u00dfen, verkauft) ein von der Autorin handsigniertes Buch mehr oder weniger unmittelbar, nach dem er oder sie es erstanden hat?&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Entt\u00e4uschung? Dass es sich bei dem Buch um einen Essayband\nhandelt ist erst beim Lesen der Buchr\u00fcckseite ersichtlich und vielleicht hat\ndie Besitzerin oder der Besitzer einen Roman erwartet. Aber wenn er\/sie auf der\nLesung anwesend war, musste doch das Genre klar gewesen sein? Immerhin hatte\ndie Autorin aus diesem Buch vorgelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Geschenk? Vielleicht wollte da jemand Gutgesinntes einem ihm oder ihr wichtigen Menschen eine Freude machen, ohne zu ahnen, dass der- oder diejenige mit solcherart B\u00fcchern, ob nun durch die Autorin mit einer Signatur veredelt oder nicht, \u00fcberhaupt nichts anzufangen wei\u00df. Dagegen spricht allerdings das Fehlen einer Widmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, ich glaube das Buch wurde ganz bewusst gekauft mit dem\nWunsch es zu besitzen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Frau war.\nLeider ist die K\u00e4uferin kurz nach der Lesung einer heftig ausbrechenden\nKrankheit (aggressives Pankreaskarzinom) erlegen und es blieb ihr nicht einmal\ndie Zeit, den Nachlass zu regeln. Von der Situation entweder \u00fcberforderte oder\neinfach nur gleichg\u00fcltige Kinder oder Enkel haben ihre Sachen in Kartons\nverpackt und irgendjemand kam auf die Idee, alle B\u00fccher (mein Gott, so viele,\nwo sollen wir damit hin?) an eine jener omin\u00f6sen Online-Gebrauchtbuchh\u00e4ndler zu\nverticken. <\/p>\n\n\n\n<p>Als ich noch bei den wilden Christen war, die dem Glauben an Geister und D\u00e4monen genauso ergeben waren wie dem Glauben an Gott, wurden wir vor Flohmarktk\u00e4ufen gewarnt, weil man nicht wissen konnte, ob jener Gegenstand, der so harmlos und durch Aussehen, Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und niedrigem Preis zum Kauf einlud, nicht aus dem Besitz eines Zauberers oder eine Hexe stammte und somit auch den einst in dessen Besitz befindlichen Gegenst\u00e4nden ein D\u00e4mon anhaftete, der, sobald in unserer Wohnung oder unser Haus gelangt, dort auf das \u00dcbelste sein Unwesen treiben w\u00fcrde. Von derart Aberglauben geheilt, freue ich mich, wenn den Gegenst\u00e4nden, die sich einst im Besitz anderer Menschen befanden und auf diesem oder jenem Wege zu mir gelangen, etwas anhaftet, das \u00fcber ihre blo\u00dfe Form und ihren blo\u00dfen Inhalt hinausgeht. Es f\u00fcgt ihnen einfach noch die ein oder andere Geschichte hinzu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-1331","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1331"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1685,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1331\/revisions\/1685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}