{"id":297,"date":"2014-09-18T15:44:01","date_gmt":"2014-09-18T13:44:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=297"},"modified":"2021-04-11T08:28:09","modified_gmt":"2021-04-11T08:28:09","slug":"schlafbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=297","title":{"rendered":"Schlafbuch"},"content":{"rendered":"<p><em>17.09.2014<\/em><!--more--><\/p>\n<p><em>22:45<\/em><\/p>\n<p>Die Nacht entkleiden:<br \/>\nIhre schwarzen Br\u00fcste ber\u00fchren<br \/>\nund den finsteren Scho\u00df,<br \/>\naus dem Tr\u00e4ume fallen<br \/>\nwie die Tr\u00e4nen Ungeborener.<\/p>\n<p>(Denn, was sind sie sonst<br \/>\ndie Tr\u00e4ume,<br \/>\nals Tr\u00e4nen von Un-<br \/>\nvon Tot-<br \/>\nvon Niegeborenen?)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die entkleidete Nacht<\/strong><\/p>\n<p>Der Tag soll zur Ruhe fahren, doch lange zappelt er noch im Abendrot. Scharfkantig wie der Tod, zielt der Wind aufs Kinn. Niemand wagt Prophezeiung noch Gebet, bis das Dunkel wie Schildpatt gekocht und geformt ist. Ein Baum, in m\u00e4chtiger Erregung, stemmt sich gegen die Uhr. Eine Stunde schneit herab und schickt zu Bett.<br \/>\nIm Liegen geschmiedete \u00dcbereinkunft:<\/p>\n<p>1. Du sollst nicht<br \/>\n2.<br \/>\n3.<br \/>\n(\u2026)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eingewiesen<br \/>\nin das kleine Nest<br \/>\nder Zirbeldr\u00fcse<br \/>\nfresse ich die Pest<\/p>\n<p>Abgewiesen<br \/>\nfern dem dunklen Fest<br \/>\ndem lakmuss\u00fc\u00dfen<br \/>\nfresse ich den Rest<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum tr\u00e4gt mein Vater eine Augenklappe? Er ist ein stattlicher Mann, der niemals ohne Krawatte das Haus verl\u00e4sst. Seine Augen waren immer unversehrt und klar und blau. Aus dem gesunden Auge schwappt Wasser \u00fcber sein Gesicht. Die Klappe bebt, als wolle sich darunter etwas hervortun. Das Meer oder \u00c4rger, ich wei\u00df es nicht. Wo ich doch so tief\u2026<\/p>\n<p>A.C. Seymor schreibt \u00fcber das Nacktsein im Traum:<br \/>\n\u201eWo alles sich in Bewegung, im Strudel befindet, f\u00fchlt das Ich sich st\u00e4ndig fortgerissen. Nicht die erlebten Ereignisse beunruhigen es, sondern die st\u00e4ndige Bewegung. Eine Zielgerichtetheit, die der Tr\u00e4umende versp\u00fcrt, als w\u00e4re sie von einer Gottheit verordnet, die ja tats\u00e4chlich der Traum selbst ist. Das Grundbed\u00fcrfnis besteht darin, einen Ort zu finden, der zum Anker wird. Ist dieser gefunden, dient die Nacktheit sich diesem im selben Augenblick wieder zu entfremden. Steht man dem Bekannten gegen\u00fcber, wird man selbst durch Entkleidung und Blo\u00dfstellung zum Unbekannten, auf dass der Traum sich nicht aufl\u00f6st. W\u00e4hrend wir als bekleidetes und fest definierbares Ich durch eine unbekannte Traumwelt wandern, sehen wir als Nackter uns stets mit Bekanntem konfrontiert.\u201c<\/p>\n<p>\u2026schlafe und das Zimmer vom Wind durchwandert wird, vom Atmen meiner Frau, vom Mondlicht, von einer Axt, die allem Leben den Kopf abschl\u00e4gt. Und so denke ich eine Welle, die der Bibel noch f\u00fcnfzig Psalmen und einige Prophezeiungen hinzuf\u00fcgt. Gott sitzt in seinem Sessel. Er hat auf mich gewartet. \u201eDein Vater\u201c, sagte er, \u201ehat was am Auge.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Traum glaub ich meinem Spiegel nicht<br \/>\nSolange meinen Schlaf das Ich noch blendet<br \/>\nDie Furchen in dem Traumgesicht<br \/>\nSind Lebenslinien unvollendet<\/p>\n<p>Unvollkommen wie alles Sein und Werden<br \/>\nWie der Schall, der im Wind verfliegt<br \/>\nWie das Rohr, das im Wind sich biegt<br \/>\nUnd bricht, aus Angst vorm Sterben<\/p>\n<p>Doch g\u00e4nzlich sind sie nicht verschwendet<br \/>\nG\u00e4nzlich ziellos nicht verwendet<br \/>\nDie Linie ist sich selbst das Ziel<\/p>\n<p>Der G\u00f6tter b\u00f6ses Spiel<br \/>\nDenen der G\u00f6ttlichkeit zu viel<br \/>\nDie G\u00f6ttlichkeit entwendet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frau ist bereit zum Beischlaf. Aber sie wehrt sich, als ich ihr meinen Schwanz in den Mund schieben will.<br \/>\n\u201eWas ist los?\u201c, will ich wissen.<br \/>\n\u201eDu k\u00f6nntest wenigstens fragen\u201c, sagt sie und aus dem Kissen, auf dem sie liegt, wird ein Krokodil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>dasblauegr\u00fcnderwiesen \u2219 diewolkenringsobendr\u00fcber \u2219 windderanhemdkn\u00f6pfenknabbert \u2219 ichfliegeaufdemfahrrad \u2219 ichfliegedurchdiefelder \u2219 rapsrapsrapsprapsraps \u2219 meinemuttermachteinziemlichernstesgesicht \u2219 wiehie\u00dfdiegro\u00dfbusigeausdemsechtenschuljahrnochmal \u2219 ichfliegeindiewolkendurchsiehindurchundausihnenhinausinrichtungerde \u2219 diedickbusigeistirgenwieverliebtundb\u00f6seundichgreifeimfliegennachihrentitten \u2219 dasblaugr\u00fcnderwiesen \u2219 diewolkenobendr\u00fcberdurchdieichfliege\u2219 diedickbusigeumarmtmich \u2219 ichhabeangst \u2219 meinemutterverbindetdiehanddiemirverletztwurde \u2219 diedickbusigel\u00e4cheltirgendwoimhintergrund \u2219 ihrefotzeschei\u00dfeschei\u00dfeschei\u00dfeschei\u00dfe \u2219 einpr\u00e4serrolltsichvomschlaffenschwanz \u2219 meinemutter:diewaraberleichtzuhaben \u2219 ich:jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>5:30<\/em><br \/>\nPiep piep piep piep usw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nacht<br \/>\nWickelt ein graues Tuch um ihre Br\u00fcste<br \/>\nBedeckt den Scho\u00df mit Tau<br \/>\nNicht so, dass vielleicht sie\u2019s w\u00fcsste<br \/>\nNein, sie wei\u00df es ganz genau<br \/>\nDass nichts, was im Arm sie hielte<br \/>\nL\u00e4nger w\u00e4hrte, als ihr fahles Kleid<br \/>\nUnd wer vom Tag zur Nacht hin schielte<br \/>\nDoppelt sieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>5:39 <\/em><\/p>\n<p>Guten Morgen\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.09.2014<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=297"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":304,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions\/304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}