{"id":324,"date":"2020-01-24T18:15:35","date_gmt":"2020-01-24T16:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=324"},"modified":"2021-04-11T08:25:12","modified_gmt":"2021-04-11T08:25:12","slug":"sinn-form","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=324","title":{"rendered":"Sinn &amp; Form"},"content":{"rendered":"<p>Gut m\u00f6glich, dass man bei dem Begriff &#8220;Literaturzeitschrift&#8221; zuerst an ein buntes Magazin denkt, angef\u00fcllt mit Rezensionen neu erschienener B\u00fccher, Kommentaren mehr oder weniger bekannter Schriftsteller und Kritiker, Essays zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen, Jubil\u00e4en und Jahrestagen ber\u00fchmter Autoren, Stellungnahmen zu Buchpreisverleihungen und einer Menge leserorientierter Werbung. Das alles eifrig bebildert mit Portrait- oder zeitdokumentarischen Aufnahmen, mit Zeichnungen oder Montagen, die alle ihren k\u00fcnstlerischen Anspruch schon beim oberfl\u00e4chlichen Draufschauen geltend machen. Weniger eine Zeitschrift \u00fcber Literatur, eher ein Informationsblatt des Buchmarktes.<\/p>\n<p>Mit Literaturzeitschriften verh\u00e4lt es sich wie mit Wahlplakaten: Je mehr Text, desto weniger Aussicht auf Erfolg. Zum Gl\u00fcck gibt es bei den Bl\u00e4ttern, die sich dem geschrieben Wort widmen keine F\u00fcnfprozenth\u00fcrde. Man muss nur bereit sein, zu bezahlen. Dann erh\u00e4lt man n\u00e4mlich etwas, was den Titel \u201eLiteraturzeitschrift\u201c wirklich verdient.<\/p>\n<p>Wie zum Beispiel dieses wunderbare Exemplar, das heute in meinem Briefkasten war:<a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-Form-III.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-330 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-Form-III-214x300.jpg\" alt=\"Sinn &amp; Form III\" width=\"214\" height=\"300\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Sinn &amp; Form bin ich gesto\u00dfen, weil ich ein regelm\u00e4\u00dfiger H\u00f6rer des Deutschland Radio Kultur bin. Einmal war Matthias Weichelt zu Gast, der damalige stellvertretende Chefredakteur von Sinn &amp; Form, und sprach \u00fcber die Themen der neusten Ausgabe. Daraufhin bestellte ich mir das Heft. Ich war begeistert. Sie enthielt einen Essay \u00fcber Saint-Exup\u00e9ry, Norman Maneas Gedanken \u00fcber Cioran, ein Gespr\u00e4ch mit Enzensberger, Ausz\u00fcge aus dem Briefwechsel zwischen Hilde Domin und Hannah Arendt, Briefe von Klaus Mann, eine Dankesrede von Durs Gr\u00fcnbein und vieles mehr.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-und-Form-I.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-327 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-und-Form-I-214x300.jpg\" alt=\"Sinn und Form I\" width=\"214\" height=\"300\"><\/a><\/p>\n<p>Sinn &amp; Form ist auf eine besondere Weise zeitlos, weil sie nicht auf Aktualit\u00e4t ausgerichtet ist. Jede Ausgabe hat einen thematischen Rahmen, der aber so weitl\u00e4ufig gesteckt ist, dass er meist nur schwer zu erkennen ist. Aber gerade das macht die Lekt\u00fcre niemals langweilig. Man kann sich bedenkenlos \u00e4ltere Jahrg\u00e4nge bestellen, die darin enthaltenen Artikel und Texte haben nichts von ihrer Qualit\u00e4t verloren, weil es sich dabei um Literatur handelt und nicht um blo\u00dfe Stellungnahmen zu gerade durchs literarische Dorf gejagten S\u00e4uen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-und-Form-II.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-328 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/wp-content\/uploads\/sites\/17\/2014\/09\/Sinn-und-Form-II-216x300.jpg\" alt=\"Sinn und Form II\" width=\"216\" height=\"300\"><\/a><\/p>\n<p>Und ja, Sinn &amp; Form hat seine Wurzeln in der DDR. Dieses Echo ist auch heute noch zu versp\u00fcren, aber nicht in ideologischer Hinsicht, sondern in einer gewissen Affinit\u00e4t zu osteurop\u00e4ischen Autoren. Inhaltlich l\u00e4sst Sinn &amp; Form die Vergangenheit nicht ruhen. Sie scheut weder den R\u00fcckgriff auf die Nazizeit, noch auf Leben und Schreiben im Kommunismus. In der neuesten Ausgabe finden sich Tagebuchaufzeichnungen \u00fcber die letzten Tage Ingeborg Bachmanns. Das klingt nach trockener Literaturgeschichte, ist aber lebendige Vergegenw\u00e4rtigung einer einzigartigen schriftstellerischen Hinterlassenschaft.<\/p>\n<p>Alle zwei Monate erscheint Sinn &amp; Form. Sechs Mal im Jahr kann man also ein Geschenk in seinem Briefkasten vorfinden. Und im B\u00fccherregal f\u00fcgt es sich ein in ein vielb\u00e4ndiges Dokument literarischen Schaffens und unerm\u00fcdlicher Geistesarbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut m\u00f6glich, dass man bei dem Begriff &#8220;Literaturzeitschrift&#8221; zuerst an ein buntes Magazin denkt, angef\u00fcllt mit Rezensionen neu erschienener B\u00fccher, Kommentaren mehr oder weniger bekannter Schriftsteller und Kritiker, Essays zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen, Jubil\u00e4en und Jahrestagen ber\u00fchmter Autoren, Stellungnahmen zu Buchpreisverleihungen und einer Menge leserorientierter Werbung. 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