{"id":970,"date":"2016-11-04T01:06:20","date_gmt":"2016-11-03T23:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/tloenfahrer\/?p=970"},"modified":"2021-04-11T08:27:14","modified_gmt":"2021-04-11T08:27:14","slug":"welches-geraeusch-machen-weltbilder-wenn-sie-zusammenbrechen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/?p=970","title":{"rendered":"Welches Ger\u00e4usch machen Weltbilder, wenn sie zusammenbrechen?"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center\"><\/h1>\n<p><!--more--><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center\"><strong>XI<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Man sieht nie nur sein eigenes Gesicht wenn man in den Spiegel schaut.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left\"><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left\"><strong>Amparo und die Arschl\u00f6cher<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Woraus diese Erinnerung besteht:<\/p>\n<p>Ein Ort am Rande des Dschungels, eine Frau, deren Intimit\u00e4t durch die Arena einer Gerichtsverhandlung getrieben wird, drei Richter, alle Anfang drei\u00dfig, alle wei\u00df, alle verheiratet, alle kinderlos. Ich bin einer von ihnen und f\u00fchle mich, wie immer wenn ich f\u00fcr <em>die Sache<\/em> eintrete, im Recht.<\/p>\n<p>Die Frau lebt in einem sch\u00e4bigen Dorf an der Pazifikk\u00fcste und geh\u00f6rt der Gemeinde von Esmeraldas an. Ihr Fehlverhalten kommt dem dortigen \u00c4ltesten zu Ohren, worauf er mich und einen anderen Hirten um Hilfe bittet, m\u00fcssen bei Exkommunikationsverhandlungen doch mindestens drei Geistliche anwesend sein. Die Beschuldigte hat naturgem\u00e4\u00df alleine und ohne jedweden Beistand zu erscheinen.<\/p>\n<p>Das Gemeindehaus von Esmeraldas ist ein flacher Backsteinbau, umgeben von Bretterbuden, deren Einrichtung meistens nur aus H\u00e4ngematten und billigen Gaskochern besteht. In dem Geb\u00e4ude ist es angenehm k\u00fchl und wir suchen uns ein Pl\u00e4tzchen im hinteren Teil des Saales. Der \u00c4lteste von Esmeraldas ist ein kleiner sanfter Mann. Er hei\u00dft Juan, kommt urspr\u00fcnglich aus Quito und es ist nicht zu \u00fcbersehen, wie sehr ihm das Leben an der K\u00fcste zu schaffen macht. St\u00e4ndig wischt er sich den Schwei\u00df von der Stirn oder nestelt an seiner Krawatte, als empf\u00e4nde er sie als st\u00e4ndige Bedrohung.<\/p>\n<p>Mit mir im Bus angereist ist Edvin Holmgren, ein symphytischer Schwede, der als Sekret\u00e4r der Gemeinde von Ibarra dient. Er wohnt mit seiner Frau etwas au\u00dferhalb der Stadt und sein Haus ist jedes Wochenende Treffpunkt f\u00fcr uns europ\u00e4ische Missionare. Wir grillen, spielen Tennis oder Golf und schwimmen in dem riesigen Plastikpool, den sich Edvin extra aus Schweden hat schicken lassen. In seinem gro\u00dfen Garten wachsen Avocados, Strauchtomaten und Sternfr\u00fcchte. Seine drei Rottweiler laufen st\u00e4ndig an dem hohen Drahtzaun entlang, der sein Grundst\u00fcck umgibt.<\/p>\n<p>Wir beginnen die Verhandlung mit einem Gebet. Oh Herr, lass deinen Geist in unserer Mitte sein, damit wir unserer Schwester helfen k\u00f6nnen, einsichtig und dem\u00fctig zu werden. Amen.<\/p>\n<p>Juan schildert kurz den Sachverhalt. Schwester Amparo, verheiratet und Mutter von drei kleinen Kindern, lebe mit einem Mann zusammen, der nicht ihr Ehemann sei. Bei einem Gespr\u00e4ch unter vier Augen habe sie eingestanden, mit diesem Mann regelm\u00e4\u00dfig Geschlechtsverkehr zu haben.<\/p>\n<p>Wo ist dein Ehemann, frage ich Amparo. Sie schaut das erste Mal, seit sie den Raum betreten hat auf. Ihre Augen sind so dunkel wie ihre Haut.<\/p>\n<p>Verschwunden, sagt sie mit heiserer Stimme, seit drei Jahren nun schon. Er habe damals behauptet, eine Arbeit gefunden zu haben und deswegen f\u00fcr einige Zeit nach Kolumbien gehen zu m\u00fcssen. Dann sei er weg und nie wiedergekommen.<\/p>\n<p>Und der Mann, der jetzt bei dir lebt?<\/p>\n<p>Ein Freund. Er k\u00fcmmert sich um uns, kauft Essen und Kleider f\u00fcr die Kinder. Meine \u00e4lteste Tochter kommt bald in die Schule und er hat angeboten, das B\u00fcchergeld zu bezahlen. Er ist Fischer.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr, dass er sich k\u00fcmmert, Essen kauft und das Schuldgeld bezahlt, will er bei dir wohnen, stelle ich fest.<\/p>\n<p>Amparo nickt.<\/p>\n<p>Nicht nur bei dir wohnen, setzte ich hinzu, sondern auch, dass du mit ihm ins Bett gehst.<\/p>\n<p>Amparo nickt abermals. Sie h\u00e4tte sonst niemanden, der sich um sie und die Kindern sorge. Ein paar Sucres verdiene sie als N\u00e4herin, aber das sei nicht genug, um die Kinder zu ern\u00e4hren, von der Schule ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Zwingt er dich dazu, Sex mit ihm zu haben, fragt Juan.<\/p>\n<p>Ich verstehe nicht, sagt Amparo.<\/p>\n<p>Zwingt er dich zum Sex oder machst du das freiwillig? Hast du Spa\u00df daran, ihm gef\u00e4llig zu sein?<\/p>\n<p>Amparo sch\u00fcttelt den Kopf und vergr\u00e4bt das Gesicht in ihren H\u00e4nden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben genug geh\u00f6rt. Der Sachverhalt ist klar: Ehebruch und Hurerei.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste halbe Stunde lesen wir Bibelverse vor und fragen Amparo, was sie meine, wie Gott wohl \u00fcber ihr Verhalten d\u00e4chte. Sie vermutet, er sei ihretwegen sehr traurig.<\/p>\n<p>Wir schicken die Frau vor die T\u00fcr und beraten uns kurz. Dann verk\u00fcnden wir unser Urteil. Ausschluss aus der Gemeinschaft. Amparo nimmt es auf wie ein Mensch, der schlechte Nachrichten gewohnt ist.\u00a0 Aber als wir sie ohne Gebet entlassen, f\u00e4ngt sie an zu weinen.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg planen Edvin und ich den Abend. Zun\u00e4chst einige Runde schwimmen im Pool und dann ein paar saftige Steaks auf den Grill werfen. Sie h\u00e4tten aus Schweden neue DVDs geschickt bekommen, sagte Edvin, die k\u00f6nnten wir uns danach noch anschauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-970","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=970"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":996,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/970\/revisions\/996"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tloenfahrer.wababbel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}