Weltuntergang

In einem kurzen Text beschreibt George Orwell eine Hinrichtung, der er während seiner Dienstzeit in Burma beiwohnte. Dem Bericht fehlt auf beunruhigende Weise jedwedes Pathos. Nachdem der Tod des Delinquenten festgestellt ist, wird darüber diskutiert, was es wohl zu essen gäbe. Interessant sind jedoch die Gedanken des Erzählers, während der Verurteilte zum Galgen läuft. Dessen Ruhe beeindruckt Orwell offensichtlich, was ja nichts anders heißt, als dass er diese Gelassenheit gegenüber dem Tod nicht besitzt. Weil ihm bewusst wird, was es heißt, wenn ein Mensch stirbt. Er sagt wörtlich: „Eine Welt geht unter.“

Jeder Tod ist ein Weltuntergang, da es keine zwei Menschen gibt, die die Welt mit den gleichen Augen sehen. Der Tod zerstört einen absolut einzigartigen Blick auf das Leben und einen Geist, der diesen Blick wahrnimmt und als sein Eigentum beansprucht.

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